
Dieser September war ein Monat so ganz nach den Vorstellungen derjenigen, die gerne „in die Pilze gehen“. Daher konnten wir dem seit der Pilzwanderung im Oktober 2023 vielfach geäußerten Wunsch mehrerer Vereinsmitglieder nach einer weiteren gemeinsamen Pilzrunde entsprechen. Zu unserer Freude hatte der langjährige und erfahrene Pilzberater Lothar Strelow aus Techentin (zwischen Goldberg und Mestlin) der Anfrage erneut zugesagt.
Zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt waren es zehn Pilz-interessierte Personen, die gemeinsam zur Exkursion starten wollten. In dem Moment begann es zu nieseln. Das konnte uns allerdings nicht abschrecken. „Richtiges Pilzwetter eben!“, wurde das Wetter kommentiert. Alle waren wetterfest gekleidet, mit Körben und Messern ausgerüstet und fieberten der kleinen Wanderung entgegen.
Wir hatten uns anders als vor drei Jahren dieses Mal für eine Tour im Nadel- und Nadel-Mischwald auf sandigem Boden entscheiden. Das versprach andere Arten als im Buchen- und Mischwald. Die ersten Schritte waren kaum getan, da „winkten“ unmittelbar am Wegrand bereits ganz verschiedene Pilzarten. Perlpilz oder Pantherpilz? Woran erkenne ich das sicher? Lothar Strelow erklärt die unterschiedlichen Merkmale.Fredo hat einen Flockenstieligen Hexenröhrling entdeckt. Dem wird unter den Hut und auf den Stiel geschaut:„Sieht aber ziemlich giftig aus.“ Das ist er jedoch überhaupt
nicht, sondern ein ganz hervorragender Speisepilz. Lothar Strelow erläutert die Merkmale, an denen die „Flockenhexen“ gut zu erkennen
sind.
Und
da ist eine besondere Art und das Exemplar auch in bester Ausprägung. „Das ist
ein Pilz, den wirklich jeder kennen und sicher erkennen muss, der Pilze für die
Küche sammelt! Prägt Euch die Merkmale also unbedingt ein. Sonst kann es
tödlich enden.“ Der Grüne Knollenblätterpilz darf auf keinen Fall mit in die
Küche! Der Pilzberater verweist während der Tour noch mehrfach darauf und lässt
die Merkmale an weiteren Exemplaren wiederholen.
Lothar Strelow hat gut Schmunzeln, als dieser Olivbraune Milchling (auch Tannenreizker genannt), auftaucht. Bitte ansehen, daran schnuppern und dann unbedingt eine kleine Geschmacksprobe nach den strikten Vorgaben des Pilzberaters durchführen: Sabines Gesicht verrät das richtig scharfe Ergebnis! Petra hat da mit dem kleinen Stäubling eindeutig eine milde Art erwischt.
Was für ein wunderschöner Pilz. Karola schnuppert an einer Espen-Rotkappe. Die Rotkappen haben im besten Zustand festes Fleisch, was ihr vergleichsweise hohes Gewicht ausmacht.„Den kann man wirklich essen? Da kommt ja ganz oranger Saft raus!“ Der orangefarbene Milchsaft ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass dieser Reizker essbar ist. Es handelt sich um einen Kiefern-Reizker (auch Edelreizker genannt), einen sehr aromatischen und leckeren Speisepilz. Der orangefarbene Milchsaft, die auf dem Hut mehr oder weniger gut ausgeprägten Ringe, die Grübchen am Stiel und das strikte Wachstum bei Kiefern machen den Edelreizker auch für Anfänger gut erkennbar.Kurz darauf finden wir unter Fichten ein paar Fichten-Reizker. Diese Art enthält ebenfalls orangefarbenen Milchsaft, hat aber keine Grübchen am Stiel und kaum Ringe auf dem Hut. Der Fichten-Reizker ist ein unmittelbarer Verwandter des Kiefern-Reizkers und ebenfalls essbar. Links vier Fichten-Reizker und rechts zum Vergleich ein Kiefern-Reizker. Grüntöne im Hut können beide Arten zeigen. Hier geht es um die Unterschiede ähnlicher Arten wie Butterpilz und Körnchen-Röhrling. Oder um die Unterschiede von Kupferrotem Gelbfuß und Großem Kuhmaul. Isa zeigt die gemeinsamen Merkmale und die Merkmale, an denen die Arten zu unterscheiden sind.Großes Kuhmaul (links) und Körnchen-Röhrling (rechts) dürfen in die Speisepilzkörbe wandern. Zu alte Exemplare wie das Große Kuhmal ganz links, matschige, bereits verschimmelte oder madige Exemplare von Speisepilzen bleiben dagegen immer im Wald. So kann Pseudo-Pilzvergiftungen vorgebeugt werden, unterstreicht der Pilzberater.Auf der Freifläche wachsen Riesen-Schirmpilze (Parasol). Die jungen Hüte lassen sich panieren und in der Pfanne braten. Die Pilze ergeben aber vor allem getrocknet und fein zermahlen ein ganz hervorragendes Würzpulver, wie Lothar Strelow verrät. Und schon landen einige Exemplare in den Sammelkörben.
Es gibt so viel zu entdecken, anzufassen, zu betrachten und zu erläutern. Da kommen wir nur im Schneckentempo voran. Außerdem wird es an diesem nieseligen Nachmittag bereits dämmrig, wir sind ja auch erst nach der Arbeit gestartet. Und so beschließen wir, die spannende und kurzweilige Exkursion zu beenden, bevor es ganz dunkel geworden ist.Noch einmal ein kontrollierender Blick in die Sammelkörbe, letzte Erklärungen und ein paar Tipps vom Pilzexperten.Weil wir schon geahnt hatten, dass es wohl etwas spät werden könnte, hatten wir natürlich vorgedacht und ein kleines Abendbrot-Picknick im Kofferraum dabei. Etwas Heißes zu trinken tut nach so einer Tour sowieso immer gut. Mit frischem selbstgebackenen Brot und selbst hergestelltem Schmalz von Sabine sowie mit Petras leckerer Kräuterbutter, ein paar kleinen Würstchen und sauren Gurken ist das Buffet aus dem Kofferraum doch perfekt. Einfach und gut. Wer mag, der darf gerne kräftig zugreifen! Erfolgreich und gut gelaunt geht es nun nach Hause zum Putzen und Verarbeiten der gesammelten Pilze. Schön, dass es allen gefallen hat!
Und ganz offensichtlich hat es auch dem Pilzberater gefallen, der er unterbreitet das Angebot, noch ein weiteres Mal gemeinsam auf Pilztour zu gehen. Auf jeden Fall sehr gerne, darauf haben wir Lust.
Ganz herzlichen Dank an Lothar Strelow für die richtig spannende, äußerst vergnügliche und natürlich auch lehrreiche Pilzexkursion! Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Runde.
Herzlichen Dank ebenfalls an alle Teilnehmenden unserer Pilzwanderung sowie für die freundlichen Spenden, die unsere weitere Vereinstätigkeit unterstützen.